Hast du Danke gesagt?
Eigentlich war doch alles ok. Hast du gedacht. Und auf einmal explodiert eines deiner Teammitglieder. Komisch. Überraschend. Sie ist doch normalerweise laid-back. Freundlich. Angenehm. Hast du gedacht. Bist du ihr zuschauen konntest, wie sie im Teammeeting von einer aktiven Teilnehmerin zuerst zu einer stillen wurde. Und am Ende ihre einzigen Beiträge aus bitterem Sarkasmus bestanden.
Wow. Was war da los? Dieses Teammitglied hat doch gerade noch einen riesigen Beitrag geleistet, einen wichtigen Meilenstein zu erreichen. Sie sollte doch gut drauf sein. Und sich entspannt zurücklehnen. Der Abschluss ihres Action Items war heute einer der ersten Punkte, die ihr besprochen habt.
Wart mal. Hast du eigentlich den Abschluss des Arbeitspakets einfach nur hingenommen? To-Do erledigt und abgehakt? Oder hast du Danke gesagt?
Einige Menschen motivieren sich nicht nur durch Geld, Möglichkeiten des Aufstiegs oder einfach pure Herausforderungen. Für sie wiegt die persönliche Bestätigung mehr. Ihnen ist wichtiger, dass du sie wahrnimmst. Wertschätzung zeigst. Die ist ihnen wichtiger als Geld. Geld an sich hat keine direkte Bedeutung – die Dinge, die wir uns darum kaufen, haben eine. Lob wiederum spürt man sofort. Es bleibt einem in Erinnerung. Und macht dich Stolz – nicht nur im Moment, sondern für eine ganze Weile.
Menschen, die durch Wertschätzung motiviert werden, können kreativ, warm und charismatisch sein. Klare Kommunikatoren. Andere wenden sich ihnen zu. Oft sind sie im Team diejenigen, die dafür sorgen, dass die Stimmung hält. Sie helfen aktiv mit, Konflikte zu vermeiden und wenn sie auftreten schnell wieder zu beruhigen. Sie helfen gern den anderen Menschen – nicht nur, weil sie ein Dankeschön hören möchten, sondern weil es sie wirklich erfüllt, andere glücklich zu machen. Ihnen zu helfen.
Wenn jemand, dem Wertschätzung sehr wichtig ist, das Gefühl hat, zu wenig davon zu bekommen, hast du über kurz oder lang ein Problem. Anfangs werden sie nichts sagen und hoffen, die Bestätigung kommt halt ein wenig später oder, wenn das nächste Arbeitspaket erledigt ist. Wenn sich aber weiterhin nichts tut, werden sie sich kränken. Was machst du, wenn du dich kränkst? Zuerst mit aller Wahrscheinlichkeit einmal dich nach innen kehren. Verschränken. Die negativen Gefühle vorerst unterdrücken.
Bis du explodierst. Und damit nicht genug: Du schämst dich zugleich für dich, oder ärgerst dich über dich selbst. Dadurch wirst du noch stärker zu machen. Dich abwenden. Vom Team. Vom Projekt. Dich abwenden von alldem, das dich demotiviert, weil man deine Arbeit nicht schätzt. Und dich mehr zuwenden den Dingen und Menschen, von denen du die Wertschätzung bekommst, die du brauchst.
Manche Menschen zeigen dir in ihrem Verhalten, dass sie Wertschätzung brauchen. Das sind die, die ein Arbeitspaket erledigt haben, es dir mitteilen – und wenn du nicht “Danke” sagst dir sagen “Übrigens – gern geschehen!”. Nicht jeder zeigt das aber so direkt. Die meisten Menschen meinen, es wäre übertrieben, aktiv um Wertschätzung zu bitten. Und dass die erhaltene Wertschätzung in diesem Fall auch kaum von wahrem Herzen kommen kann.
Wenn du jemand bist, der sich beim Team aktiv bedankt, wirst du hier vermutlich nie ein Problem bekommen. Wenn du so jemand nicht bist, wirst du über kurz oder lang in Konflikte laufen. Menschen empfinden Wertschätzung weniger für das “erfolgreiche Erledigen eines Tasks”. Wichtiger ist die Bestätigung, die Anerkennung und das Lob für ihre Leistung und Fähigkeiten.
Womöglich fällt es dir nicht leicht, deinen Leuten gegenüber Wertschätzung auszudrücken. Ist es dir unangenehm oder bist du in dem Punkt zu unsicher, den Leuten ehrlich zu danken, wenn sie einen Job gut gemacht haben? An sich ist es immer am besten, Lob und Anerkennung direkt und persönlich auszusprechen. Am besten in der Runde wo es jeder hören kann. Wenn dir das aber nicht leicht fällt, schalte halt deine Phantasie ein. Ein persönliches Brieferl mit einem Dankeschön kann ein mächtiger Motivator sein. Etwas, das die Kollegin stolz ihren Kollegen zeigen kann, oder ihrer Familie. Ein persönliches Empfehlungsschreiben an den Chef – Kopie an den Kollegen! - ist auch eine exzellente Möglichkeit, jemandem Anerkennung zu schenken. Nicht zuletzt sind solche Empfehlungsschreiben wichtig als Beilage zu einer künftigen Bewerbung.
Eine andere Möglichkeit, jemandem das Gefühl zu geben, das man ihn und seine Arbeit schätzt, ist eine kleine Aufmerksamkeit, sofern es das Budget hergibt. Eine Einladung zum Abendessen zum Beispiel. Oder ein Gutschein für ein Mal Autowaschen. Oder du überlegst dir einen kleinen Award – zum Beispiel in Form einer Anstecknadel. Manche Menschen machen solche Abzeichen wirklich stolz und sie tragen sie gern durch die Gegend.
Auch wenn du selbst nicht zu denen gehörst, die stärker nach Anerkennung streben. Denk dran, dass andere es tun. Und es tut niemandem weh, einfach mal “Danke!” zu sagen.
Margaret Meloni
Und noch zum Schluss in eigener Sache: Du bist als Projektleiter auch die Führungskraft deiner ProjektmitarbeiterInnen. Damit hast du eine persönliche Verantwortung gegenüber deinen Leuten. Mache nicht den Fehler und betrachte Wertschätzung als Ressource, die man nur dem gibt, der danach fragt oder wo es Probleme gibt, wenn man zu wenig davon investiert. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen. Und bewusst oder unbewusst: Ich denke dass Wertschätzung jeder braucht, und dass Wertschätzung oft die einfachste – und menschlichste – Methode ist, ein highly performing Team weiterhin performen zu lassen.
Daniel
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Über die Autorin: Margaret Meloni, MBA, PMP ist Executive Coach und Beraterin für IT Professionals. Sie hilft ProjektmanagerInnen und -teams besser zusammenzuarbeiten indem sie ihre Soft Skills verbessert. Wie du lernst, deine technischen mit deinen Soft Skills besser zu kombinieren, erfährst du im PDU Podcast http://www.pducast.com und auf http://www.margaretmeloni.com
Margaret's Text wurde von Daniel Hendling mehr oder weniger frei aus dem Englischen ins Österreichische übersetzt. Daniel ist im PMI Austria Chapter für die Bereiche Communications & Member Relations verantwortlich.

