Führung mit Charisma

Ein Vortrag von Dr. Christian Kovac, Trainer und Coach für Führungskräfte

„Führung mit Charisma ist wie Flirten.“ 

Dr. Christian Kovac

 

Dr. Christian Kovac gibt Impulse zum Thema Führung mit Charisma und schlägt ein Modell vor, das uns erlauben soll, beim nächsten Projekt genauer und differenzierter hinzuschauen, um unser charismatisches Potential zu erhöhen.

Ist Charisma gottgegeben? Um diese Frage zu beantworten, betrachtet Dr. Christian Kovac zunächst die drei Möglichkeiten zu führen. Es kann über den Sinn, die Überzeugung und die Rhetorik geführt werden. Dabei wird Projektmitgliedern durch Überzeugung vermittelt, warum und wie bestimmte Dinge zu tun sind. Eine weitere Möglichkeit ist das Führen über Macht und Sanktionsgewalt. Wobei führen über Sinn und Überzeugung, ohne die notwendige Macht, rasch auf Grenzen stößt. Zuletzt gibt es die Führung über Initiative und Motivation.  Gegenwärtig wird immer weniger über Sinn und Macht geführt, als in der Vergangenheit.  Der Schwerpunkt der Führung liegt eindeutig bei der Motivation.

Wie passen allerdings die Themen Projektmanagement und Charisma zusammen? Der Projektauftraggeber gibt in der Regel Ziele vor. Mit diesen Zielen muss der Projektmanager / die Projektmanagerin umgehen, um sich selbst und andere zu motivieren. Der Umgang mit den Zielen enthält in erster Line einen Sachaspekt, erzeugt aber immer auch Emotionen. Diese Emotionen gilt es zu bündeln und die daraus entstehende Energie zur Erreichung positive Ergebnisse zu verwenden. Dies ist ein rationeller Vorgang, der trainiert und geschult werden kann.

Als Nächstes beschreibt Dr. Christian Kovac die Angst und die Angstabwehr als ein zentrales Gefühl, das durch das Aufbauen von Vertrauen unter Kontrolle gebracht werden kann. Vertrauen wird auf zwei Wegen gebildet: durch die Integrität im Sinne von Ehrlichkeit, kein Manipulieren von Zielen, Loyalität in kritischen Situationen und wenn Fehler passieren. Oder durch das Zutrauen aufgrund der Kompetenz, die wir von jemandem wegen seiner/ihrer Erfahrung, der Ausbildung etc. erwarten. Dieses Zutrauen bringen wir beispielsweise Ärzten gegenüber auf.

Dr. Christian Kovac bringt seine These, dass Charisma aus dem Wegnehmen der Angst entsteht. Ähnlich wie bei Politikern, hängt das Charisma der Projektmanager davon ab, ob sie als Projektionsfläche für die Ängste von Anderen dienen können.

Dazu wird ein Modell aus der Tiefenpsychologie präsentiert, dass unsere Positionierung gegenüber anderen Menschen beschreibt. In Hinblick auf ihr Beziehungsverhalten („Beziehungsachse“) werden Personen in zwei Gruppen unterteilt: Balance-orientierte Menschen, die besonders für Team Work geeignet sind und Stimulanz-orientierte, die sich besonders hervorheben und jemand Besonderer sein möchten. In Bezug auf ihre Einstellung zu Veränderungen („Achse der Veränderung“) unterscheidet man zwischen Personen, welche Routine und Kontinuität suchen und solche, die nach vorne schauen und Veränderungen herbeiführen wollen. Reine Formen dieser Gruppierungen gibt es nicht. In manchen Kontexten, zum Beispiel in der Familie, können wir kontinuitätsorientiert und in anderen wiederum veränderungsorientiert sein.

Es gilt, die Ängste dieser Gruppen anhand ihrer Positionierung abzuleiten. Balance-orientierte Menschen fürchten in erster Linie isoliert zu werden und nicht zugehörig zu sein. Stimulanz-orientierte Menschen wiederum, ihre Individualität nicht ausleben zu können, nicht hervorstechen zu können, sich mit Routinearbeiten und Langeweile aufhalten zu müssen. Anhand dieser Matrix kann an eine Teamzusammenstellung differenzierter herangegangen werden. Befürchtungen der Teammitglieder kann bewusst begegnet und entgegengewirkt werden. Dabei, so die These, steigt das Charisma-Potential je nachdem, ob man es schafft, sämtliche Achsen zu bedienen. Es entsteht so etwas wie ein Vertrag zwischen dem Projektleiter / der Projektleiterin und dem Team: „Du nimmst mir die Angst – ich leiste.“ Charisma hat insofern mit Verführen und Sich-Einlassen zu tun.

Am Beispiel Hitler werden die vier Bedürfnisausprägungen und ihre Bedienung erläutert. Das Balancebedürfnis wurde durch die Ideen der Hitlerjugend und der Volksgemeinschaft befriedigt, die Stimulanz/Individualität - durch die These der Deutschen als Herrenrasse, die Kontinuität - durch das Florieren der Wirtschaft, und die Veränderung - durch die Vision vom Tausendjährigen Reich.

Am Beispiel Adenauer können die vier Achsen so gesehen werden: die Balanceorientierung wurde durch das Deutsch-sein und das „Wir“-Gefühl bestärkt, die Stimulanz – durch das „Wirtschaftswunder“ und der These „wir sind was Besonderes durch unsere Industrie“, die Kontinuität – durch die Vorhersehbarkeit „keine Experimente“ und die Veränderung – durch die Annäherung an die USA und die europäische Einigung „wir können nach vorne gehen“.

Charismatische Persönlichkeiten können jedenfalls nur in einem bestimmten historischen Rahmen und Kontext existieren, es bedarf ein Zusammenspiel der Führer und der Geführten.

Es geht darum, Beziehungen und Vertrauen aufzubauen, Emotionen und Ängste der Menschen wahrzunehmen und einen Hafen und ein Wohlfühlen zu vermitteln - dann lassen sich Menschen führen, werden folgen und hundert Prozent leisten.

Dr. Christian Kovac beantwortet unter anderem folgende Publikumsfragen:

Ist Charisma eine Wirkung auf den 1. Blick? – Ch. Kovac: So eine Wirkung kann es geben, aufgebaut auf dem Zutrauen - die Art, wie eine Person angezogen ist, mit welcher Logik sie spricht, was für eine Ausstrahlung sie hat. Ebenfalls kann Charisma innerhalb einer Organisation erarbeitet werden.

Welche konkreten Tipps geben Sie in Ihren Führungsseminaren? - Ch. Kovac: Sich Teams bewusst zu werden, sich die Emotionen der Mitarbeiter vorzustellen und Aufgaben entsprechend zu verteilen. Den Teammitgliedern gezielt das für sie Notwendige zu geben. Es ist wichtig, einen Antrieb zu schaffen, und die Teammitglieder nicht in die Resignation zu treiben.

Sind heterogene Teams besser als homogene? - Ch. Kovac: Ja, denn Vielfalt ist gut, und es liegt in der Kompetenz der Führungskraft, solche Teams zusammenzustellen.

Ist denn nur die Angst wichtig? Nicht die positiven Emotionen? - Ch. Kovac: Angst ist eine elementare Emotion. Allerdingst passt sie nicht in unserer Zeit, da sie negativ besetzt ist. Wenn man eine positive Sprache wählen möchte, kann man es auch so formulieren, dass das Fehlen von Angst Freude erzeugt.

Wir danken Svetla Kumhofer für die Zusammenfassung des Vortrags „Führung mit Chaisma“.

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