Er erweitert den Projektbegriff (Ziele, Leistungen, Zeiten, Kosten, Ressourcen, Risiken, …) um eine systemische Sichtweise und stellt die Betrachtung von Projekten als „temporäre soziale Systeme“ in den Mittelpunkt. Der Wert, diese System-Elemente wie z.B. individuelle Ziele, Bedürfnisse, Zustände und Erfahrungen verstärkt zu managen, wird unterstrichen. Dadurch wird der Mensch als ein wesentlicher Faktor stärker in den Vordergrund gestellt. Die meisten Projekte scheitern demnach nicht an technischen Problemen oder fehlender Kompetenz einzelner Mitarbeiter, sondern an der mangelnden Zusammenarbeit der Beteiligten.


Im systemischen Projektmanagement werden die Parameter des klassischen Projektmanagements mit sämtlichen sozialen Interaktionen zwischen den Beteiligten als Ganzheit verstanden. Dabei stehen individuelle Interessen, Erfahrungen, Ziele, Rollen und Aufgaben im Projekt und der Organisation, persönliche Lebenslagen und angelernte Verhaltensmuster miteinander in Wechselwirkung. Mit Beispielen aus dem Alltag (Familie, Sport, Organisationen) führt Harald Heinrich zu Be-ginn des Buches den Systembegriff, abgeleitet aus der „Allgemeinen Systemtheorie“ ein. So wird das Buch, basierend auf einer adäquaten Systemdefinition und daraus abgeleiteten vier Aspekten zum systemischen Handeln nicht nur für an Business-Projekten interessierte Leser ein Gewinn.


Der Autor eröffnet neue Perspektiven auf soziale Systeme und insbesondere auf Projekte und ermöglicht es, erfolgshemmende Wechselwirkungen zu erkennen und durch die Anwendung von leicht verständlichen „systemischen Prinzipien“ zielführende Interventionen zu setzen. Welche systemischen Prinzipien in welcher Situation wirken, wann welche wichtig sind und welche Möglichkeiten zur Anwendung und damit zur Verbesserung der Beziehungen im System oder Projekt eingesetzt werden können, erfährt der Leser anhand zahlreicher Praxisberichte.


Beispiel aus dem Buch
Besonders ein Beispiel vom Anfang des Buches hat bei mir einen bleibenden Eindruck erweckt. Eine Projektleiterin mit einem „unklaren“ Auftrag von der Geschäftsführung zur Erstellung eines Ressourcenverwaltungssystems, jedoch mit aus dem Blauen festgelegten Budget und Endtermin für den Projektabschluss, steht vor der Frage, wie Sie eine „erfolgreiche“ Projektdurchführung sowohl aus Sicht der Mitarbeitenden als auch aus Sicht der Geschäftsführung erreichen kann und gleichzeitig eine Musterunterbrechung für das gegenseitige Misstrauen zwischen Geschäftsführung und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einleiten kann. Heinrich wendet an diesem Beispiel die vier systemischen Aspekte der Unterschiedsbildung, Kontextabhängigkeit, Wechselwirkungen und Ganzheitlichkeit an und lässt die Leserin und den Leser immer wieder neue Perspektiven auf das Projekt erkennen. Letztendlich gelingt es der Projektleiterin mit Hilfe einer vorgeschlagenen „systemischen Denkrezeptur“ eine erfolgversprechende Entscheidung zu treffen.
Was mir besonders gefallen hat:

  • Erweiterung des Projektbegriffs vom Projekt im engeren Sinne (PL + Projektteam), Projekt im weiteren Sinne (+ Stakeholder) zum Projekt im systemischen Sinne
  • Differenzierte Betrachtung der Zugehörigkeit für Projekte: Wer eine Aufgabe hat gehört dazu!
  • Notwendigkeit der Austauschbarkeit von Personen in Projekten
  • Etablierung von „Kunden-Lieferanten“ -Beziehungen in Projekten
  • Wertschätzung des Einsatzes als Bedingung für den Systemerhalt

Was Sie im Buch noch erwartet:

  • Einführung ins systemisches Denken
  • Rezept mit Problemen fertig zu werden
  • Systemische Prinzipien
  • Wertschätzung des Menschen als wesentlicher Faktor
  • Einführung in systemische Projektaufstellungen

Über den Autor
Der Autor ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker. Sein systemisches Projektmanagement entwickelt er aus seiner langjährigen Kenntnis von betrieblichen und sozialen Prozessen in Unternehmen in den Bereichen Bankwesen, Energieversorgung, Halbleiterbranche und Automobilindustrie. Heinrich ist zertifizierter Senior Projekt Manager, IPMA und zertifizierter Systemischer Berater, SySt®-Institut München. Durch die Anwendung von klassischen Projektmanagement-Methoden in mehr als 25 Jahren Projektmanagementerfahrung in unterschiedlichsten Rollen und Funktionen, kennt er aufkommende Probleme und herkömmliche Lösungsversuche damit umzugehen. Als systemischer Berater hat er die hohe Wirksamkeit systemischer Lösungswege in der Praxis erprobt und präsentiert diese in seinem Buch leicht verständlich und nachvollziehbar.
Sowohl der IPMA-Präsident Reinhold Wagner (Vorwort) und der Gründers des SySt®- Instituts München, Prof. Matthias Varga von Kibéd (Einführung) gaben exzellente Bewertungen für das Buch ab.
Ich meine dazu, das Buch spricht für sich: verständlich, praxisnah und anwendbar!
Günter Wailzer

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